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Das Gastmahl in Sololaki von Nodar Macharashvili

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Liest man den Roman »Gastmahl in Sololaki« wie ich unbefangen und ohne Vorinformation, so geht es scheinbar gleich zur Sache: ein Wirtshaus in der georgischen Hauptstadt, eine Liste von Bestellungen für 17 Personen. Doch eingeflochten in die Unterhaltung zwischen dem Wirt und den Gästen sind Bemerkungen, die das Gastmahl von vornherein in einem bedrohlichen Licht erscheinen lassen. Irgendwie hängt eine düstere Wolke über dem bevorstehenden Festmahl. Die Hintergründe bleiben dem Leser jedoch zunächst verborgen, und es ist genau dieses Element, das der Autor gekonnt einsetzt, um eine enorme Spannung zu erzeugen. Wie von magischer Hand getrieben, kann man nicht aufhören zu lesen.

 

Eine Rückblende zeigt dann, dass wir es mit dem russischen Zarenreich zu tun haben. Die Bevölkerung ist gespalten, manche kämpfen für einen Umsturz, manche dagegen. Und selbst unter den Revolutionären gibt es die Menschewiki und die verfeindeten Bolschewiki, die ursprünglich der gleichen sozialistischen Partei angehörten … bis es zu einem blutigen Bürgerkrieg kam. 

 

Die Hauptperson, ein georgischer General, ist der Neffe des georgischen Schriftstellers Ilia Tschawtschawadse, der, zusammen mit anderen Intellektuellen und Autoren für die Unabhängigkeit Georgiens kämpfte. Georgien war gleichzeitig eine Hochburg der Menschewiki gewesen.

 

Im Laufe des 100-Seiten-Romans enthüllt sich dem Leser allmählich das makabre Szenario und wie es dazu gekommen ist. Und wie so oft in Literatur und Film: Die Realität ist, was die Wirkung beim Zuschauer oder Leser betrifft, unübertroffen … denn der Roman ist einem historischen Vorbild nachgebildet.

 

Nodar Macharashvilis Werke haben bereits einen wichtigen Platz in der modernen georgischen Literatur eingenommen. Die deutsche Übersetzung stammt von Lia Wittek. Das Buch erschien 2024 im Wiener Verlag Pereprava.

 

Helmut Kunkel

Verleger bei Daltas-Verlag

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